Die Graphische Sammlung

Rembrandt van Rijn, Selbstbildnis mit Säbel, 1634, Radierung, mpk, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 56/120. Foto und © mpk

Meisterwerke auf Papier

Die Graphische Sammlung des Museums Pfalzgalerie Kaiserslautern ist
seit rund 100 Jahren ein Ort herausragender Sammelleidenschaft und
eines der erstklassigen graphischen Kabinette in Südwestdeutschland.
Kunst auf Papier lässt sich hier in allen ihren Facetten studieren, genießen und in größeren kunsthistorischen Zusammenhängen darstellen. Mit der Druckgraphik, der Zeichnung sowie der Fotografie werden in der
Sammlung die Hauptgattungen der Kunst auf Papier sowohl in heraus-
ragenden Einzelblättern als auch in umfangreichen Serien, Künstlerbüchern oder Mappenwerken bewahrt und regelmäßig in Sonderausstellungen präsentiert.

Blätter von Meistern wie Jacques Callot, Honoré Daumier, Francisco de
Goya oder Rembrandt, dessen berühmte Radierung „Selbstbildnis mit Säbel" von 1634 ein Highlight der Sammlung ist, sind im Kabinett wichtige Repräsentanten der Vormoderne und zugleich Wegbereiter der druck-
graphischen Künste. Das auch überregional charakteristische Allein-
stellungsmerkmal der Sammlung liegt jedoch in ihrer Spezialisierung auf die Kunst vom 19. bis ins 21. Jahrhundert. An kaum einem anderen Ort im Südwesten lässt sich die Kunstentwicklung dieser Zeit daher derart dicht und qualitätvoll nachvollziehen wie im Museum Pfalzgalerie.

Max Liebermann, Selbstbildnis, 1906, Radierung/Kaltnadel, mpk, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 54/51. Foto und © mpk

Umfangreiche Werkbestände der Impressionisten Max Liebermann,
Max Slevogt sowie Lovis Corinth gehören ebenso zur Sammlung wie
die eindrucksvolle Druckkunst des Expressionismus, beispielsweise von Max Beckmann, Conrad Felixmüller, Ernst Ludwig Kirchner oder Max Pechstein. Auch Künstler mit Pfälzer Wurzeln wie Hans Purrmann,
Otto Dill oder Hermann Croissant sind umfassend vertreten. Ein Höhepunkt des frühen 20. Jahrhunderts ist das sozialkritische, von
Georg Scholz gezeichnete Aquarell „Zeitungsträger (Arbeit schändet)". Der Gegensatz zwischen Arm und Reich wird hier im Kontext der sozialen Spannungen der 1920er Jahre krass auf den Punkt gebracht.

Anhand herausragender Blätter lässt sich im Kabinett die gesamte Kunstentwicklung im 20. Jahrhundert umfassend nachzeichnen,
können dessen plurale Stilrichtungen wie die Konkrete Kunst, das Informel, das Figurative oder die Konzeptkunst vor Augen geführt werden. Pablo Picasso, Ernst Wilhelm Nay, Franz Erhard Walther, Kiki Smith, Georg Baselitz oder die US-amerikanischen Künstler Adolph Gottlieb und Joan Mitchell seien exemplarisch genannt. Ihre Werk-
komplexe werden durch Schenkungen und Ankäufe jüngerer Positionen stetig bereichert.

Otto Mueller, Fünf gelbe Akte am Wasser, 1921, Farbholzschnitt, mpk, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 52/33. Foto und © mpk

Große Verdienste um die Erweiterung der Graphischen Sammlung hat sich die 1994 ins Leben gerufene Marianne und Heinrich Lenhardt-Stiftung erworben. Mit ihrer Hilfe konnten bisher mehr als 500 druckgraphische Blätter u.a. von Henry Moore, Hans Hartung, Antoni Tàpies und Thomas Meier-Castel erworben werden.

Regelmäßig erarbeitet das Kabinett umfang-
reiche Bestandskataloge zu seinen mehr als 25.000 Einzelblättern, so dass der Reichtum der Kunst auf Papier sowohl den Besucherinnen
und Besuchern als auch der Forschung über Kaiserslautern hinaus auch zukünftig
zugänglich gemacht wird.

Georg Scholz, Zeitungsträger (Arbeit schändet), 1921, Aquarell/Tusche, mpk, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 85/200. Foto und © mpk
Georg Scholz, Zeitungsträger (Arbeit schändet), 1921, Aquarell/Tusche, mpk, Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 85/200. Foto und © mpk

Sören Fischer