Rozbeh Asmani

Wem gehört die Farbe?

27. Oktober 2018 - 30. Dezember 2018

PRESSEINFORMATION
Eröffnung: Freitag, 26. Oktober 2018, 19 Uhr
Vorbesichtigung und Pressegespräch am Donnerstag, 25. Oktober 2018, um 11 Uhr
sowie nach Vereinbarung unter Telefon 0631 3647-226
Der Künstler ist anwesend

Rozbeh Asmani (*1983 Shiraz) scheint sich auf den ersten Blick allein mit Farben und Formen zu beschäftigen. Der zweite offenbart: Es geht um die Dokumentation von Farben, Farbkombinationen, Farbverläufen, Formen und auch Biopatenten, die für Konzerne markenrechtlich geschützt sind. Das Museum Pfalzgalerie zeigt mit den 72 Colourmarks die größte und bisher wichtigste Werkgruppe des deutsch-iranischen Künstlers. Daneben werden 17 weitere Druckgrafiken sowie neun Plastiken gezeigt, welche die Thematik der Patente weiter ausführen.

Auf die Idee Farbe patentieren zu lassen, kamen nicht nur Vertreter aus der Kunstwelt (Yves Klein, International Klein Blue – IKB, PB29, CI 77007), sondern auch Unternehmen, die Ihre Marken mit bestimmten Farben verbunden wissen wollen. Die zunächst plausibel erscheinende Antwort auf die Frage des Ausstellungstitels, dass die Farbe niemandem gehört und damit von jedem genutzt werden kann, ist in der heutigen Markenwelt nicht haltbar. Hier liefern sich Firmen Rechtsstreitigkeiten darüber, wer nun welche Farbe verwenden darf und wer nicht.

Dadurch, dass sich der Verbraucher daran gewöhnt hat Marken nicht nur mit Logos oder Slogans zu verbinden, sondern auch mit Farben und Formen, haben Konzerne – neben dem Schutz vor Fälschungen – ein großes Interesse daran, diese patentieren zu lassen. Längst hat sich in unserem Sprachgebrauch das Telekom-Magenta, das Milka-Lila oder das Aral-Blau durchgesetzt. Auch Formen („3D- Marken" / „Warenformmarke") werden geschützt um einen Wiederkennungswert des Produkts zu gewährleisten. Der Leibniz-Keks, der Zwieback, das Überraschungsei - Rozbeh Asmani zeigt hier in Bronze gegossene Beispiele.

Erweitert wird das Thema der Patente mit „Chrysanthemen". In Amerika sind, durch ein wegweisendes Urteil des US-Supreme Court, dass „alles unter der Sonne von Menschenhand Erschaffene" (s. Anm.) patentierbar ist, auch Pflanzensorten schutzrechtsfähig. Über 2.000 Chrysanthemensorten sind bereits patentiert worden.

Seine künstlerische Ausbildung begann Asmani an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dort sammelte er 2009 für seine Abschlussarbeit erste Erfahrungen mit dem Farbmarkenschutzgesetz. Er entwarf eine im Tschador „verhüllte" Schokoladenfigur, Shirin (2009), und ließ sie in einer Stückzahl von 3.000 Exemplaren industriell fertigen. Ursprünglich sollte die Schokolade mit einer lilafarbenen Verpackung umwickelt werden. Da aber ausschließlich der Konzern Kraft Foods Schweiz Holding für die Schokoladenware Milka das Privileg hat seine Produkte mit einer lilafarbenen Verpackung zu gestalten, wurde der Entwurf farblich modifiziert. Das industriell besetzte Lila wurde durch einen unmarkierten Blauton ersetzt. Asmani sah seine künstlerische Freiheit beschnitten und wollte mehr über die „abstrakten Farbmarken" erfahren. Daraufhin hat er alle angemeldeten Farbmarken recherchiert. So entstand die Idee für seine Colourmarks (2012-2017), die bis heute umfassendste Werkserie des Künstlers. Sie zeigt abstrakte Farbtafeln, die für industrielle Großfirmen geschützt sind, um sich von anderen Produkten oder Dienstleistungen unterscheiden zu können. In seinem Künstlerbuch Rozbeh Asmani 72 Colourmarks (2017) hat er die Recherchen zusammengetragen. Im Kunstraum können die, auf die Farbe reduzierten Drucke, in ihrer puren Farbigkeit wirken. Hinter der zunächst abstrakt wirkenden Bildsprache steht dementsprechend ein komplexer Zusammenhang von Farbe, Macht, Konkurrenzkampf und Identität.

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitheft, welches einen Einführungstext zum Künstler und eine Liste der ausgestellten Werke beinhaltet. Weiterhin liegt vor „Rozbeh Asmani – Immateriell" (Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Galerie Werner Klein, Köln, 2.6-7.7.18) sowie zur Ansicht „Rozbeh Asmani – 72 Colourmarks". Die Publikation „Immateriell" ist zum Preis von 8 € an der Museumskasse zu erwerben. Die Publikation „72 Colourmarks" kann über das Museum zum Preis von 70 € bestellt werden.

Anm.: "include anything under the sun that is made by man" U.S. Supreme Court: Diamond v. Chakrabarty 447 U.S.303 (Decided June 16, 1980)

Download Pressemitteilung

Pressefotos

Rozbeh Asmani Lidl-Kreis
Rozbeh Asmani, Lidl Kreis, 2018, C-Print auf Clearfilm, 100 x 100 cm, Auflage 3+1 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Asmani Colourmarks
Rozbeh Asmani, 72 Colourmarks, 2017, 72 Offsetprints auf Papier, 95 Sonderfarben + CMYK, je 32 x 23,5 cm, in Leinenkassette 35 x 27 x 6,5 cm, Auflage 7+1 AP. Ausstellungsansicht Kunsthalle Düsseldorf, 2018. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh AsmanI Aral Wolken
Rozbeh Asmani, Aral Wolken, 2015, Siebdruck, 53 x 80 cm, Auflage 7+2 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani Nivea Kreis 1
Rozbeh Asmani, Nives Kreis, 2018, C-Print auf Clearfilm, 100 x 100 cm, Auflage 3+1 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani Nivea Arabi
Rozbeh Asmani, Nivea Arabi, 2015, Siebdruck, 32,5 x 46,5 cm, Auflage 12+2 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani Shirin
Rozbeh Asmani, Shirin, 2009, Schokolade, 4-C-Druck auf Aluminium, 17 x 9 x 4 cm, Auflage 200. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani o2-verlauf
Rozbeh Asmani, O2 Verlauf, 2018, C-Print auf Clearfilm, 100 x 70,5 cm, Auflage 3+1 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani o2-luftblasen 2
Rozbeh Asmani, O2 Luftblasen 2, 2018, C-Print auf Clearfilm, 29,5 x 20,5 cm, Auflage 7+2 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani MonCheri
Rozbeh Asmani, Mon-Chèri Praline & Mon-Chèri Praline #2, 2016, Bronze, 2 tlg., je 2 x 2,5 x 3 cm, Auflage 12+2 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln
Rozbeh Asmani Zwieback
Rozbeh Asmani, Zwieback, 2015, Bronze, 1 x 7 x 7 cm, Auflage 12 + 2 AP. Courtesy of the artist + Galerie Werner Klein, Köln

Zurück