Julia Steiner

Am Saum des Raumes

08. Februar 2020 - 19. Juli 2020

Eröffnung: Freitag, 07. Februar 2020,19 Uhr
Die Künstlerin ist anwesend

Vorbesichtigung und Pressegespräch
am Mittwoch, 05.Februar, 11 Uhr
und nach Vereinbarung unter Telefon 0631 3647-201. Die Künstlerin ist anwesend.

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt vom 08. Februar bis zum 19. Juli 2020 großformatige Pinselzeichnungen, Skultpruen sowie Rauminstallationen von Julia Steiner. Vom 13. Januar an arbeitet die Künstlerin über einen Zeitraum von bis zu drei Wochen direkt auf Wände und Decken von Eingangshalle und Treppenhaus des Museums und lässt so vor Ort eine Raumzeichnung im unmittelbaren Sinne des Wortes entstehen. Wir laden gerne ein zum Entstehungsprozess der Arbeit vor Ortund bitten um Terminabsprache.

Es sind Werke der Gegensätzlichkeit. Steiners Arbeiten – mit dem Pinsel gezeichnet –haben mitunter eine monumentale Größe und strahlen dennoch etwas Flüchtiges, Zartes aus. Rahmenlos wuchern sie über das Papier hinweg und besetzen den Raum. Für den Moment eingefrorene Prozesse, wie Wind der durch Wolken fegt, die Nachtdurchdringendes Licht oder auseinanderberstende Erde verschaffen sich aufenergische Weise Raum. Doch wer ein Motiv erkannt zu haben meint, verliert es alsbald in der reinen malerischen Zeichnung, ihren zarten Grautönen sowie dem scharfen Kontrast von Schwarz und Weiß und sucht aufs Neue.

Es wundert kaum, als thematische Schwerpunkte Steiners „Raum und Zeit", „Bewegungund Vergänglichkeit" auszumachen. Es sind abstrakte Inhalte, die über die körperliche Wahrnehmung in Gefühl übergeleitet werden. Steiners Werke sprechen schon allein aufgrund ihrer Größe unmittelbar das Körpergefühl an, machen esbewusst und verbinden es mit dem Sehen, der Bewegung und jeweils individuellerErinnerung: Raum und Zeit werden als wichtige Wahrnehmungsparameter bewusst und damit zugleich befragbar.

Für dieBesucher*innen beginnen Erfahrungen schon im ersten Moment, indem sie das Museum betreten. In der sechs Meter hohen Eingangshalle und dem Treppenhauserwarten sie Zeichnungen auf allen Wänden und auch auf den Decken. Somit treten sie mitten in die Bildwelt ein und sind von ihr umgeben. Man kann sich ihr nicht entziehen. Es gibt keinen Blickpunkt, von welchem sich die Raumzeichnungals Ganzes erfassen lässt. Mit jeder Bewegung verändert sich der Ausschnitt und verlangt eine Überprüfung der eigenen Position. Zusätzlich lösen sich die Grenzen des Raumes optisch scheinbar auf; reale Ecken verschwinden, fiktive Öffnungen entstehen.

Installative Werke betonen Horizontale und Vertikale, verändern damit das Raumgefühl und machen auch hier Unterschiede von Raumwahrnehmungen deutlich. Gegensätzliche Materialität und Körperlichkeit, die z.B. Papierarbeiten und in verlorener Formgegossene Bronzeskulpturen mit sich bringen, betonen dies. Unterschiedliche Zeitebenen durchdringen sich. Zeichnungen von bis zu acht Metern Längedokumentieren sowohl die Herstellungszeit als auch den körperlichen Einsatzsowohl der Künstlerin wie der Betrachter*innen. Ihre notwendige Bewegungmacht das Sehen zum vielschichtigen bewussten Prozess.

Aus Glasplatten zusammengesetzte Modellräume, z.T. mit durchlässigen Zeichnungenversehen, oder mit verschiedenen Materialien kombiniert oder gefüllt, zeigenweitere Möglichkeiten über den Raum anschaulich nachzudenken. Innen und Außen,Transparenz und Durchlässigkeit, Grenzen und Übergänge sind dabei wichtige Stichwörter. Sie werden ergänzt um das Provisorische, Fragile und damit auch Vergängliche; insgesamt Verhältnisse, denen per se Zeitlichkeit eingeschriebenist.

Julia Steiner (*1982 in Bürenzum Hof) studierte 2002 bis 2007 an der Hochschule der Künste Bern sowie Kunstgeschichte an der Universität Bern, 2005 absolvierte sie ein Auslandssemesteran der Universität der Künste Berlin und besuchte von 2006 bis 2008 die Pädagogische Hochschule Bern. Von 2018–2019 hatte sie die Verwaltungsprofessur für die Fachklasse Zeichnen an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig inne. Steiner wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2017 mit dem Wiener StrabagArt Award International.

Der Entstehungszeitraum der Arbeiten reicht von eignes für die Ausstellungentwickelten und jüngsten Arbeiten bis zurück in die letzten achten Jahre. Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit Ausstellungsansichten und einem Text der Kuratorin Svenja Kriebel auf Deutsch und Englisch. Grafik und Konzeptgestalten groenlandbasel.

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern, Museumsplatz 1, ist mittwochs bis sonntagsvon 10 bis 17 Uhr und dienstags von 11 bis 20 Uhr geöffnet. WeitereInformationen unter www.mpk.de.

Die Ausstellung wird ermöglicht mit freundlicher Unterstützung von

Kanton Basel-Stadt Kultur und Prohelvetia

Pressefotos

Raum1 2012 out-of-horizon cantonale thun 2012 U7A0133-DavidAebi
Out of Horizon, 2012, Ø 6m H: 3m, Cantonale Thun, Courtesy the artist and Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne, Foto: David Aebi, Bern
Zeitraum-f
Zeitraum, 2016, Gouache auf Papier, 292 × 240 cm, Courtesy the artist and Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne, Foto: Julia Steiner, Basel
Nocturne-X 240x202 cm
Nocturne X , 2015, Gouache auf Papier 240 x 202 cm , Courtesy the artist and Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne, Foto: Julia Steiner, Basel
TableauX
Tableau X (Detail), 2017, Gouache auf Papier, 112 x 135 cm, Courtesy the artist and Galerie Urs Meile, Beijing-Lucerne, Foto: Julia Steiner, Basel

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