Drei Eichen für Kaiserslautern

Die erste Eiche von insgesamt vier ist seit Anfang Dezember gepflanzt
Die erste Eiche von insgesamt vier ist seit Anfang Dezember gepflanzt

Eine Initiative des mpk, großzügig unterstützt von der Bau AG, dem Forstamt Kaiserslautern und dem Steinbruch Carl Picard, in Kooperation mit dem Gymnasium am Rittersberg und der Technischen Universität Kaiserslautern (TUK)

Dieses Jahr wäre Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden. Als Hommage an sein zutiefst humanistisches Werk pflanzt das mpk an ausgewählten Plätzen gemeinsam mit den oben genannten Kooperationspartner*innen auf dem Gelände der TU, dem  der Bau AG (Paul-Münch-Brunnen) gegenüber der Hochschule Kaiserslautern, dem Steinbruch Picard und auf dem Schulhof des Gymnasiums am Rittersberg, insgesamt vier Eichen (3 + 1, dazu später). Flankiert von einem Sandsteinfindling rekurriert diese Aktion auf Beuys Großplastik „7000 Eichen – Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung“ zur documenta 7. Beuys setzte mit dieser Arbeit 1982 ein umsichtiges Zeichen, um gegen die Zerstörung von Flora und Fauna anzutreten.

Diese Idee erneut zu manifestieren, sein umfassendes künstlerische Denken nicht allein im Museum zu bewahren, sondern es in die Bevölkerung zu tragen, ist neben der Ehrung seiner bis heute umstrittenen Person das Ziel dieser stetig wachsenden Denkmale.

Anders als in Kassel flankieren die Pfälzer Bäume Sandsteinfindlinge. Dabei nehmen sie die typische Geologie dieser Region auf. Es hätten nicht zwingend Eichen sein müssen, geht es hier doch um eine Hommage und nicht um die Aufstellung eines originalen Werks von Beuys. Allerdings sind Eichen besonders geeignet mit der wachsenden Klimaerwärmung gut zurecht zu kommen. Vielleicht war es schon damals der Weitblick von Joseph Beuys, der ihre Lebensdauer von bis zu 1000 Jahren konzeptionell vor allem deswegen bedachte, als es seiner Meinung nach dieser Wachstums-Zeitspanne bedarf bis Menschen umdenken. Heute wissen wir, diese Zeit bleibt uns nicht. Und so ist der vielleicht absurd anmutende Versuch inmitten des größten geschlossenen Waldareals in Europa mit der Pflanzung weniger Bäume Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ein umso dringenderes Zeichen tätig zu werden.

Svenja Kriebel, Kuratorin am mpk und Initiatorin der Idee fand rasch Verbündete: Als erste Britta Buhlmann, Direktorin des mpk und von der Beuys‘schen Kunst begeistert, gab sofort grünes Licht. Gleiches gilt für Martin Picard, er stiftet die Findlinge und Steinplatten (auf denen die Hinweisschilder zur Aktion gesetzt werden), aus dem Steinbruch Carl Picard. Dr. Ute Fenkner-Gies. Leiterin des Forstamt Kaiserslauterns, war ebenfalls gleich angetan und so steuerte das Forstamt Kaiserslautern die Bäume bei. Die Aufstellungsorte sind mit Bedacht gewählt. Denn nicht allein der Steinbruch, in dem in regelmäßigen Abständen mit Bildhauersymposien, Tanz- oder Filmvorführungen ein alternatives Kulturzentrum auflebt, auch der Campus der Technischen Universität, die Hochschule und der Schulhof des Gymnasiums am Rittersberg sind besondere Orte:

Alle eint eines: sie werden von jungen Menschen aufgesucht, hier wird gelehrt und diskutiert. Es sind zukunftsträchtige Orte des Denkens und Bewusstmachens. Und so passt es gut, dass auf dem Schulhof der „Beuys-Baum“ als Zeichen einer weiteren Etappe, der 2020 ins Leben gerufenen RBGreen AG fungieren darf. Ein aus der „Fridays for Future“- Klimastreik-Bewegung erwachsenes gleichermaßen vorbildliches wie ambitioniertes Schüler*innen-Projekt zur Begrünung des Schulhofs. Unterstützt wurde und wird dieses Projekt von der Bau AG, die es sich nicht nehmen ließ, einen vierten Baum gegenüber der Hochschule zu setzten. Aber nicht allein das, sie übernahm, koordiniert von Ralf Kammer, den Transport von Bäumen und Steinen, das Ausheben der Pflanzlöcher und die Pflanzung der Eichen. Ein wunderbares gemeinsames bürgerschaftliches Engagement, dass Beuys sicher gefallen hätte.

Der Aktionskünstler, Zeichner, Bildhauer erweiterte den Kunstbegriff, nutzte Provokation und immer wieder das Gespräch, um, geleitet von einem tiefen Humanismus, für eine aktive, kreative Beteiligung an der Gestaltung von Gesellschaft und Politik zu werben.

Kunst, Geschichte und künstlerische Absicht miteinander zu verweben, darauf verweist jeder dieser Bäume, die auf einem Schild neben den eigenen Koordinaten auch jene der ersten Eiche vorweisen, die Beuys im Rahmen der documenta 7 in Kassel vor dem Fridericianum pflanzte. Inmitten des größten zusammenhängenden Waldareals Europas ist dies keine sinnlose Aktion – im Gegenteil: unterstreicht sie doch einmal mehr die Wichtigkeit des Naturschutzes, der so viel weitreichendere Wirkungen hat.

 

 

Online-Führungen

Di., 18.05. 18.00 Uhr Online – Gespräch Joseph Beuys zum Geburtstag, Martin Picard/Svenja Kriebel, mpk

Am 12. Mai wäre Joseph Beuys 100 Jahre alt geworden. Zahlreiche Ausstellungen werden ihm zu Ehren eingerichtet. Der Aktionskünstler, Zeichner, Bildhauer hat zu Lebzeiten polarisiert, wurde als Scharlatan beschimpft. Die Unsicherheit bezüglich seines Werks zog sich bis in die Kreise der Kunstkenner. Einige Sammlungen verzichteten auf Ankäufe, als diese noch erschwinglich waren. Auch das mpk kann weder in der Graphischen Sammlung noch in der Abteilung der Skulpturen ein Werk dieses damals so unbequemen Künstlers aufweisen. Beuys erweiterte den Kunstbegriff, nutzte Provokation und immer wieder das Gespräch, um, geleitet von einem tiefen Humanismus, für eine aktive, kreative Beteiligung an der Gestaltung der Gesellschaft und in der Politik zu werben. Heute sind Schlüsselwerke nicht mehr auf dem Markt und falls doch, für viele Etats unerreichbar. So hat sich das mpk eine andere Strategie als Beitrag zum Geburtstag von Joseph Beuys überlegt. Martin Picard, der sich ebenso wie sein Vater kontinuierlich für künstlerische Projekte engagiert und Svenja Kriebel, Kuratorin am mpk, stellen an diesem Abend die Geschenkidee vor. Sie bindet das Gedenken an Beuys ein, zeigt, dass seine Arbeiten nichts an Aktualität verloren haben und wird auch der Stadt zum Geschenk. Überzeugen Sie sich selbst, ob es eine dumme Idee ist...

Schalten Sie sich gerne hinzu: 

ONLINE-Gespräch "Joseph Beuys zum Geburtstag", Martin Picard im Gespräch mit Svenja Kriebel
Di., 18. Mai 2021 18:00 - 18:20 (CEST)

Nehmen Sie an meinem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teil.
https://global.gotomeeting.com/join/519362341

Sie können sich auch über ein Telefon einwählen.
Deutschland: +49 891 2140 2090

Zugangscode: 519-362-341


Sie kennen GoToMeeting noch nicht? Installieren Sie jetzt die App, damit Sie für Ihr erstes Meeting bereit sind: https://global.gotomeeting.com/install/519362341

 

10 Minuten vor Beginn der Veranstaltung ist das Meeting offen. Schalten Sie Ihr Mikrofon aus, bitte.

Nach einer ersten Begrüßung können Sie die Einstellungen auf aktive Kamera stellen, dann sehen Sie nicht alle Teilnehmenden, sondern in größerere Ansicht, diejenigen, die gerade sprechen.

Für das erste Meeting bei GoToMeeting benötigen Sie die App, siehe oben.

App installieren, Teilnehmen, Zugangscode eingeben – fertig!

 

Online-Führungen

Ulrike Scriba, Foto: Andreas Duhme
Ulrike Scriba, Foto: Andreas Duhme

 18. April, 10:30 Uhr, Finissage-Online-Führung: Gespräch mit Ulrike Scriba über virtuoses Handwerk

„Die Sprache der Dinge – Angewandte Kunst der Lotte Reimers-Stiftung“ 20 Minuten, live, kostenfrei, nur mit Voranmeldung, Mindestteilnehmerzahl: 5 Personen

Der letzte Tag, die letzte Gelegenheit während einer Online-Führung noch Einblicke in die Ausstellung und zugleich auch in eine Werkstatt der ausstellenden Kunsthandwerkerinnen zu erhalten. Zum Abschluss geht es um mit besonderen Oberflächen gestaltete Tabletts, Würfel und Kleinmöbel: die Werke der international erfolgreichen Intarsienkünstlerin Ulrike Scriba. Diese sind nicht allein von einer hohen Kunstfertigkeit, sondern bestechen mit faszinierend präzisen Mustern und, so möchte man hinzufügen, einer besonderen Poesie. Die schlichte Form eines Würfels erhält durch die aufwendige Handarbeit, das Zusammenlegen feinster Furniere und das nuancierte Farbenspiel unterschiedlicher Hölzer eine Anmutung, die mit dem Auge fühlen lässt und eine besondere Lust weckt, auch die Hände sehen zu lassen. Scriba spricht über die raffinierte und fast vergessene Handwerkskunst und ihren Weg zu den einzigartigen und zugleich ungekünstelten Entwürfen. Die gebürtige Wormserin erhielt 1994 gleich zwei Staatspreise, den hessischen Staatspreis für das deutsche Kunsthandwerk und den Staatspreis des Landes Baden-Württemberg. Ihre Arbeiten sind in vielen öffentlich Sammlungen zu finden und Dank der Schenkung von Lotte Reimers bereichern sie nun auch den Bestand des mpk.

Einloggen und dabei sein: 

So., 18. Apr. 2021 10:30 - 11:30 (CEST)
Nehmen Sie an meinem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teil.
Link kopieren, im Browes einfügen und schon kann es losgegehen.
https://global.gotomeeting.com/join/722190509

Sie können sich auch über ein Telefon einwählen. (Bei Geräten, die diese Funktion unterstützen, ist die sofortige Teilnahme über eine der unten aufgeführten Direktwahlnummern möglich.) Deutschland: +49 892 0194 301 -
Direktwahl: tel:+498920194301,,722190509#
Zugangscode: 722-190-509
Bis Sonntag!

Vergangene Online-Führungen

Svenja John, Armschmuck „Kojun“, 2003, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: ad lumina Ralf Ziegler
Svenja John, Armschmuck „Kojun“, 2003, © VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: ad lumina Ralf Ziegler

14. April, 18 Uhr Schmuckdesignerin Svenja John im Gesprach mit Ausstellungskuratorin Svenja Kriebel

Kann man aus einem so unedlen Material wie Plastik erfolgreich Schmuck kreieren? Svenja John kann! Von Vogue über FAZ bis hin zu Magazinen aus Taiwan berichtetman sich über ihre exaltierten Schmuckstücke, die sich mittlerweile weltweit in zahlreichen Museen befinden. Ihre Kreationen fertigt sie zum einen mit innovativer Technik, hier müssen Stichworte wie thermoplastische Polycarbonatfolien, 3D-Druck und Wasserstrahlschnitt fallen. Und zum anderen mit feiner Handarbeit: von der Bemalung bis zu ausgeklügelten per Hand zusammengesteckten Formmodulen, die John aneinanderreiht oder miteinander verschachtelt. Es sind besondere Hingucker, die in Formreichtum und Farbigkeit bestechen. Trotz ihrer zahlreichen technologischen Bezüge liegt der Ursprung dieser einzigartigen Kreationen in der Natur. Mit Svenja John zeigt das mpk eineweitere künstlerische Position die beeindruckt, in dem sie handwerklicheVersiertheit neu denkt. Wie sie das genau versteht, darüber wird die Schmuckkünstlerin im Gesprächmit Svenja Kriebel selbst berichten

MarleneJochem und Svenja Kriebel, die Kuratorinnen der Ausstellung, stellen einzelnePositionen in Online-Führungen vor. Bitte melden Sie sich per E-Mail unter anmeldung@mpk.bv-pfalz.de an, damit wir Ihnendie Zugangsdaten übermitteln können.

Nächsteund letzte Online-Führungen in der Ausstellung: 18.April, 10:30 Uhr „Virtuoses Handwerk"

Britta Bode, Armreif, 2007, Foto: adlumina Ralf Ziegler
Britta Bode, Armreif, 2007, Foto: adlumina Ralf Ziegler

13. April, 18:30 Uhr, Online-Führung: Silberschmiedekunst -
im Gespräch mit Diplom Schmuckdesignerin Britta Bode

„DieSprache der Dinge – Angewandte Kunst der Lotte Reimers-Stiftung" 20 Minuten,live, kostenfrei, nur mit Voranmeldung, Mindestteilnehmerzahl: 5 Personen

Siesind von einfacher, klarer Form und dennoch raffiniert. In präziser handwerklicher Feinarbeit kombiniert Britta Bode in ihren Schmuckstücken Silber und Ebenholz. Sie initiiert damit ein feines Spiel von Licht und Schatten, von Raum und Volumen selbst im kleinsten Format. Ihre in der Ausstellung zu sehenden Stücke – Anhänger,Armreifen und Broschen – überraschen mit einer meist zarten aber ungleich spannungsvollen Abweichung. Britta Bode ist Goldschmiedin, Diplomschmuckdesignerin und Ausstellungskuratorini n einer Person, wie sie ihre Arbeit versteht und welche Werke außerdem zu ihrem Oeuvre zählen, wird Thema im Online-Gespräch mit Ausstellungskuratorin Svenja Kriebel sein.

MarleneJochem und Svenja Kriebel, die Kuratorinnen der Ausstellung, stellen einzelne Positionen in Online-Führungen oder – Interviews vor. Bitte melden Sie sich perE-Mail unter anmeldung@mpk.bv-pfalz.de an, damit wir Ihnendie Zugangsdaten übermitteln können.

 

Modedesignerin Kritiina Karinen, Foto: Ingo Misiak
Modedesignerin Kritiina Karinen, Foto: Ingo Misiak

 

24. März, 12 Uhr, Online-Führung: Im Gespräch mit Kristiina Karinen

 

Am Mittwoch ist die Modedesignerin Kristiina Karinen im mpk zu Gast und hat sich spontan bereit erklärt, zur Online-Führung dazuzukommen. Daher haben wir kurzentschlossen das Programm geändert.

Karinens wollene Kleidungsstücke wie Schals, Jacken oder Pelerinenbestechen mit geometrischen Mustern, gestrickt aus feinsten Garnen aus Seide oder Merinowolle. Weich nehmen sie sich Raum und verleihen en passant der Trägerin eine elegante Silhouette. Hierfür hat Karinen eigens eine neue Art des Strickens entwickelt. Ob sie dieses Geheimnis verrät bleibt offen, aber sicher ist es eine spannende Gelegenheit ihr zu begegnen. Durch das Gespräch führen Marlene Jochem und Svenja Kriebel, die Kuratorinnen der Ausstellung.

 

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